Marienkäfer, der Glücksbringer

Erfahrung mit Marienkäfern

Im Oktober oder November machen sich Marienkäfer in großen Schwärmen auf die Suche nach einem Winterquartier. So sahen wir jedes Jahr viele Exemplare an Ätna bis auf 2500m Höhe. Nun fanden wir im Spätherbst auch bei uns einen Schwarm. Da wir eine Menge Blattläuse auf einem Basilikumstrauch hatten, nahmen wir einige Käfer mit und setzten sie auf diese Pflanze.

Benannt werden die Marienkäferarten heute meist nach der Anzahl der Punkte auf den Flügeldecken. Am weitesten verbreitet unter den heimischen Marienkäfern ist der Siebenpunkt, der klassische Glücksbringer (Coccinella septempunctata). Wie ein Großteil der Verwandtschaft ernährt er sich von Blattläusen, manche Arten weiden auch Mehltau und andere Pilzbeläge von Blättern ab.

Zu besonderer Meisterschaft bringt es der Asiatische Marienkäfer, auch Harlekin-Marienkäfer genannt, wissenschaftlich Harmonia axyridis, der sich in Europa explosionsartig verbreitet. Während etwa unser heimischer Siebenpunkt rund 50 Blattläuse am Tag verzehrt, schafft Harmonia locker das Fünffache. Und wo der Siebenpunkt einmal im Jahr Nachwuchs zeugt, sind es bei Harmonia wenigstens zwei neue Generationen, je nach Witterung und Nahrungsangebot auch drei bis vier.

Der Harlekin zeigt sich am häufigsten mit oranger bis dunkelroter Grundfärbung, darauf bis zu 19 schwarze Punkte. Nicht selten aber sind die Punkte verblasst oder fehlen sogar ganz. Umgekehrt können die Punkte auch so groß werden, dass sie teils miteinander verschmelzen. Und schließlich ist da die so genannte melanistische Form mit schwarzen Flügeldecken, darauf zwei oder vier recht große orangene oder rote Punkte. Mit sechs bis acht Millimetern Länge ist der Harlekin minimal größer als der Siebenpunkt. Wichtiges Merkmal ist die M-förmige Zeichnung auf dem Kopfschild. Auch hier gibt es jedoch Extreme von vier Punkten bis zu unförmigen schwarzen Flächen.

„Oha, was ist hier los“, stellten wir überrascht fest.
Marienkäfer gehen eigentlich immer nur zwei Beschäftigungen nach: Fressen und Sex - man muss das mal so drastisch sagen. Sie schlagen sich den Bauch voll oder haben Sex oder sind gerade unterwegs zu einem von beiden. Beliebt ist auch die zeitsparende Kombination: Während Herr Marienkäfer sich hinten rechtschaffen müht, frisst sie vorne eine Blattlaus nach der anderen auf.

Unser Käfermann hat sich wohl restlos verausgabt, denn eine Stunde später lag er tot auf dem Rücken.
Ein Marienkäferleben ist halt kurz. Wie sich nach drei Wochen an den vielen Larven zeigte, hat er seine biologische Aufgabe perfekt erfüllt.
Die Käfer können bis 3 Jahre alt werden, normalerweise aber nur 1 bis 3 Monate. Insgesamt legt das Weibchen 1800 bis 3500 Eier. Krankheiten, Fressfeinde und Wetterunbilden sorgen dafür, dass aus den vielen Eiern nur wenige Käfer werden.

Nach der Paarung kleben die Weibchen Pakete mit 10 – 20 Eiern auf blattlausbefallenen Pflanzen.
Die gelben Eier reifen etwa 10 Tage. Bereits 2 Tage vor dem Schlüpfen sind die dunkelgrau gebänderten Larven in den Eiern erkennbar.
Die Larven benötigen die für ihre Entwicklung etwa zwei Wochen und vertilgen in dieser Zeit 600 bis 1200 Blattläuse. Sie sind dunkelgrau gefärbt mit orangen Seitenstreifen und mit Warzen besetzt, die vorn gezackt sind.

Aufzuhalten ist Harmonia nicht mehr. Ob der asiatische Harlekin seinen europäischen Verwandten ernsthaft Schaden zufügen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls machen ihn sein Appetit und seine Vermehrungsrate besonders konkurrenzfähig. Bei Blattlausmangel stellt er sich zudem schnell auf andere Beute um. Dabei verschmäht er weder Eier und Raupen von Schmetterlingen oder Gallmücken, noch die anderer oder der eigenen Marienkäferart. Laborversuche zeigen, dass Harmonia-Larven die von Sieben- oder Zweipunkt-Käfer fast immer besiegen. K.o. durch auffressen.

Vom Ei bis zum fertigen Käfer dauert es unter guten Bedingungen rund drei Wochen. Die Larven häuten sich dreimal und wandeln sich beim vierten Mal in eine Puppe um. Die Puppe ruht meist offen auf der Oberseite von Blättern, nach vier bis fünf Tagen schlüpft aus ihr der Käfer.

Nun schließt sich der Kreislauf. Die nächste Generation Käfer frisst Blattläuse, paart sich und legt Eier.

Sylvia Lössl und Norbert Strauß
Zusätzliche Quellen: Diverse Infos aus dem Internet