Die Zauneidechse

Zauneidechse beim Sonnenbad: ein Männchen im Paarungskleid

Von den etwa 3000 hauptsächlich tropischen und subtropischen Arten von Echsen auf unserer Erde kommen immerhin fünf auch bei uns in Bayern vor. Von diesen fünf Arten, zu denen auch die beinlose Blindschleiche zählt, ist die Zauneidechse (Lacerta agilis, lat. die “bewegliche, flinke Eidechse”) eine der häufigsten und in unseren Gärten weit verbreitet. Während die Weibchen in Brauntönen gefärbt und gut dem Untergrund angepasst sind (Foto unten), sind die Männchen mit Ausnahme des braunen Rückenbandes besonders zur Paarungszeit intensiv grün gefärbt (Foto oben). Zu dieser Zeit kann bei einigen Exemplaren dann auch die Kehle blau gefärbt sein, ein Merkmal, das sie mit ihren nahen Verwandten, den Smaragdeidechsen, teilen. Weibchen der Zauneidechse können von den ähnlichen, ebenfalls gänzlich braunen Waldeidechsen durch die weißen, schwarz ummantelten Augenflecken an der Körperseite unterschieden werden. Zudem sind Zauneidechsen mit bis zu 27 cm Körperlänge (einschließlich Schwanz) größer und robuster als die zierlicheren Waldeidechsen.

Im Juli legen die Weibchen 4-15 weichschalige Eier in selbstgegrabene Röhren oder Gruben, die sie anschließend mit Sand und Pflanzenmaterial verschließen. Die Eier werden im Wesentlichen von der Sonneneinstrahlung erwärmt. Daher ist die Inkubationszeit im Gegensatz zu den Vögeln auch relativ variabel und je nach Witterung schlüpfen die Jungen von Ende Juli bis September. Sie entwickeln sich rasch und werden mit drei Jahren geschlechtsreif. In freier Natur werden Zauneidechsen maximal um die zwölf Jahre alt. Nach einer herbstlichen Häutung begeben sich die Tiere spätestens im Oktober in ihre Winterquartiere. Nach einer längeren Schönwetterperiode im nächsten Frühjahr mit Sonnenschein und Temperaturen um die 20C, kommen sie dann wieder hervor, sonnen sich zunächst ausgiebig und gehen dann einer erneuten Häutung ihrem Fortpflanzungsgeschäft nach.

Zauneidechse beim Sonnenbad: ein gut getarntes weibliches Individuum

Als Waldsteppen bewohnende Art wurde die Zauneidechse durch die natürliche Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit bei uns zurückgedrängt und findet sich in Bayern primär entlang der großen Voralpenflüsse Iller, Lech, Isar und Inn, wo sonnige Kiesbänke mit angeschwemmtem Treibholz geeignete Lebensräume bieten. Menschliche Aktivitäten wie Waldrodung und extensive Landwirtschaft haben dann im Mittelalter und in der Neuzeit neue Lebensräume für die Zauneidechse geschaffen und sie ist dabei bis in unsere Hausgärten vorgedrungen. Heute allerdings beinträchtigen Nutzungsintensivierung und Biozideinsatz in der Landwirtschaft sowie Aufforstung und Verbuschung die Zauneidechse, die in der Roten Liste der bedrohten Tierarten Deutschlands als “gefährdet” eingestuft wird. Wir können viel für den Schutz dieser Tiere tun, indem wir extensiv bewirtschaftete, sonnige und strukturreiche Lebensräume in unserer Umgebung erhalten und fördern. Von diesen Maßnahmen profitiert eine Vielzahl weiterer Arten und nebenbei behalten wir uns ein liebenswertes, “kleinbäuerliches” Landwirtschaftsbild.

Haben Sie Fragen zu Eidechsen und konkreten Schutzmaßnahmen? Haben Sie Zauneidechsen in Ihrem Garten oder anderswo im Gemeindegebiet Holzkirchen beobachtet? Wir helfen gerne weiter und freuen uns über alle Fundmeldungen, die uns eine bessere Kenntnis “unserer” Holzkirchner Zauneidechsen ermöglichen (Kontakt: Christoph Heibl, Tel. 4707272).