Schutzwald am Seeberg - eine Zeitbombe?

Unter dem Motto „Der Schutzwald eine Zeitbombe?“ führte das Wald Bündnis Miesbach am 11. September 2006 eine Exkursion am Seeberg in der Gemeinde Bayerischzell durch. Bei dem Begang wurden erschreckende Verjüngungsdefizite, sowohl im Privatwald als auch im Staatswald, aufgezeigt. Die Teilnehmer durchstiegen über etwa 400 Höhenmeter einen steilen Schutzwald aus Fichte, Tanne, Buche, Bergahorn und Lärche, der in Auflösung begriffen ist. Anstelle von Waldverjüngung bedeckt dort dichtes Lahnergras den Boden. Die Entstehung und Ausweitung von schon vorhandenen Lawinenbahnen ist augenscheinlich.

Die Vertreter des Amts für Landwirtschaft und Forsten Miesbach, des Staatsforstbetriebs Schliersee, der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen und des Wald Bündnisses Miesbach appellierten an die für das dortige Jagdrevier zuständige Jagdgenossenschaft Bayerischzell (der Staatswald am Seeberg ist dem Gemeinschaftsjagdrevier Bayerischzell angegliedert) und an den Jagdpächter eindringlich endlich dafür zu sorgen, dass der Grundsatz „Wald vor Wild“ umgesetzt wird. Allerdings zeigten die anwesenden Jagdgenossen hierfür kein Verständnis. Die landeskulturellen Gefahren, die durch den Zusammenbruch von Schutzwäldern entstehen nehmen sie nicht ernst oder werden als übertriebenes Horrorszenario abgetan. Der vordergründige Profit eines möglichst hohen Jagdpachtzinses hemmt die Jagdgenossenschaft sich für einen angepassten Schalenwildbestand einzusetzen.

Hans Kornprobst