Fütterung der Vögel

Im Winter fragen sich viele Vogelfreunde ab wann, wie lange, wie viel und womit darf ich die Vögel füttern.

Wacholderdrossel

Die beste und natürlichste Art, Vögel im Winter zu füttern, besteht darin, heimische Sträucher anzupflanzen, die Beeren tragen. Sie stellen im Winter für Drosseln und Amseln eine wichtige Futterquelle dar. Viele Straucharten sind geeignet und bei den Vögeln sehr beliebt: Eberesche, Holunder, Hartriegel, Hagebutte, Weißdorn, Schlehe, Pfaffenhütchen, Schneeball, Kornelkirsche u.a.. Als erfreulicher Nebeneffekt bieten diese Sträucher den Vögeln eine gute Versteckmöglichkeit. Deshalb sollten Bäume und Sträucher bei Bedarf erst am Ende des Winters zurückgeschnitten werden. Im Frühling und Sommer sind diese Sträucher den Vögeln ein willkommener Nistplatz.

Unsere Hagpflanzungen und unsere Streuobstwiese bieten einer Vielzahl von Tieren (nicht nur Vögeln) das ganze Jahr hindurch einen Lebensraum.

Wer gerne ein Vogelhäuschen im Garten oder auf seinem Balkon hat, der sollte einige Regeln beachten.

 

Vogelfütterung - aber wie?

Kohlmeise
Blaumeise

 

 

Immer wieder wurde die winterliche Vogelfütterung in der Vergangenheit kontrovers diskutiert. Häufige Kritikpunkte betrafen Fragen der Hygiene, der Eignung des Futters und die Gewöhnung der Vögel an eine unnatürliche Art der Nahrungsaufnahme.

Intensive Forschung zu diesem Thema in Großbritannien und Deutschland haben Erkenntnisse geliefert, die in den letzten Jahren zu einem Paradigmenwechsel in der Vogelfütterung geführt haben.

Klar ist jetzt vor allem, dass das Verschwinden geeigneter Lebensräume tatsächlich zu einem Nahrungsmangel führt, und das nicht nur im Winter, sondern besonders auch zur Brutsaison.

Die meisten Experten plädieren daher mittlerweile für eine ganzjährige oder doch zumindest winterliche Fütterung der Vögel.

Sumpfmeise
Tannenmeise

 

Beachtet man dabei einige grundlegende Gedanken, kann man sich sicher sein, den Vögeln dabei zu helfen und keinen Schaden anzurichten.

Der richtige Zeitpunkt

Grünfink

Entgegen der landläufigen Empfehlung, erst bei Frost und geschlossener Schneedecke mit der Fütterung zu beginnen, ist es sinnvoll, frühzeitig, d.h. schon im Spätherbst, und bei milden Temperaturen Futter anzubieten. So haben die Vögel die Möglichkeit, die Futterstelle kennen zu lernen, bevor eine Notsituation eintritt. Besonders kleine Vögel kühlen sehr schnell aus und haben daher einen sehr hohen Energiebedarf. Eine Schwanzmeise, etwa, wiegt 6-9 g und braucht bei Kälte pro Tag mehr als 80% ihres Körpergewichts an Nahrung, um ihre Körpertemperatur von 41C aufrecht zu erhalten. Kennt sie die Futterstelle bereits vor einem Kälteeinbruch, steigen die Überlebenschancen erheblich. Das liegt daran, dass es einige Zeit dauert, bis die Vögel eine Futterstelle entdecken und sich daran gewöhnen. Gleichzeitig kann man beobachten, dass Vögel trotz Futterhausbesuches nicht etwa „faul” werden, sondern einen Großteil des Tages mit der Suche nach natürlicher Nahrung zubringen. Auch wenn man in die Brutsaison hineinfüttert, werden Nestlinge nicht mit Winterfutter, sondern mit tierischer Nahrung versorgt. Für eine lange Füttersaison spricht auch die Tatsache, dass die natürlichen Nahrungsreserven, insbesondere Sämereien, im Laufe des Winters immer knapper werden und daher im Frühjahr deren Angebot besonders niedrig ist.

Der richtige Ort

Gefüttert werden kann im Prinzip überall, ob in Hausgärten, Schrebergärten oder auf Balkonen oder Hausterrassen. Je mehr geeignete Lebensräume, wie Waldränder, Gehölze, Streuobstwiesen oder Parkanlagen in der Nähe liegen, desto mehr verschiedene Vogelarten sind zu erwarten. Vermieden werden sollte natürlich die Nähe zu stark befahrenen Verkehrswegen und größeren Fensterscheiben. Günstig wirkt sich dagegen die Nähe von Bäumen und Büschen aus, die besonders für versteckt lebende Arten, wie zum Beispiel den Zaunkönig, eine „Zuleitfunktion” übernehmen und den Besuch erleichtern. Gleichzeitig muss aber auch sichergestellt werden, dass Katzen keine gute Deckung in der Nähe der Futterstellen finden.

 

Buchfink
Amsel
Feldsperling

Die richtige Darbietung

Kernbeißer

 

Für die Reichung von Körnerfutter aus hygienischer Sicht ideal sind die in jedem Baumarkt erhältlichen Futtersilos.

Wer das typische Vogelhäuschen bevorzugt, sollte ein paar Dinge beachten. Das Häuschen sollte bei regem Besuch nicht zu klein sein und ein ausreichend überstehendes Dach besitzen, um das Futter vor Regen und Schnee zu schützen.

Um zu vermeiden, dass Mäuse an das Futter gelangen oder Katzen hinaufspringen, sollte das Häuschen auf einem möglichst glatten, mindestens 1,5 m hohen Metall- oder Kunststoffrohr stehen.

Manche Arten (Kernbeißer, Stieglitz, Buchfink) trauen sich nicht so leicht in Futterhäuser hinein. Ihnen wird der Besuch erleichtert, wenn das Dach an seiner höchsten Stelle einen Abstand von mindestens 30 cm vom Bodenbrett hat.

Was darf gefüttert werden?

Man unterscheidet zwischen Insekten- und Körnerfressern.

Zu den Insektenfressern gehören sämtliche Meisenarten, Rotkehlchen, Spechte, Kleiber, Zaunkönig, Stare und Amseln. Ihnen füttert man Fett-Kleie-Gemische mit Haferflocken, Obst, Rosinen, gekauften Futterringe oder Futterknödel.

Rotkehlchen
Kleiber
Buntspecht

Zu den Körnerfressern zählt man sämtliche Finkenarten, Stieglitz, Erlenzeisig und Gimpel. Für sie sind am besten geeignet Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse und Getreidekörner.

Gimpel
Stieglitz
Erlenzeisig

Bitte auf keinen Fall salzhaltige Nahrung, z.B. Wurst-, Schinken-, Speck-und Käsereste, reines Fett in Form von Margarine oder Butter, Brot- oder Kuchenkrümel füttern.

Auch vom Selbersammeln des Winterfutters wird abgeraten, eben weil das Winterfutter in der freien Natur schon knapp ist.

Eine katzensichere Wasserstelle mit sauberem Wasser zum Baden und Trinken wird von vielen Vogelarten gerne angenommen. Sie ermöglicht im Sommer auch Vogelarten zu beobachten, die den Winter in wärmeren Gegenden verbracht haben. Und selbst an sonnigen frostfreien Tagen im Winter baden einige Vögel gerne

Haussperling beim Trinken
Badender Star

Wer unseren Vögeln über das Zufüttern hinaus nachhaltig helfen will, sollte sich für die Erhaltung und Schaffung abwechslungsreicher Lebensräume einsetzen und im privaten Bereich mit einer naturnahen Gartengestaltung beitragen.

Viel Spaß beim Beobachten Ihrer kleinen Besucher.

 

Bildnachweis: Alle Vogelbilder © Christoph Bresina