Ein kurzer Blick auf den Biber

Der eurasische Biber (Castor Fiber) ist das weltweit zweitgrößte Nagetier. Er wiegt bis zu 30 kg. Zu seiner Körperlänge von bis einem Meter kommt der flache Schwanz, genannt die Kelle, mit weiteren 30-34 cm.
An seinen hauptsächlichen Lebensbereich, das Wasser, ist er von der Nasenspitze bis zum unbehaarten schuppigen Kelle, hervorragend angepasst. Nase, Augen und Ohren liegen auf einer Linie hoch am Kopf. So kann er fast ganz untergetaucht doch seine Umgebung kontrollieren.
Hör- und Geruchssinn sind sehr gut ausgeprägt, er ist aber farbenblind und kurzsichtig. Tasthaare am Maul dienen als zusätzliche Orientierungshilfe.


Sein spindelförmiger Körper lässt ihn leicht durchs Wasser gleiten. Alle Füße haben Krallen zum graben. Mit den Vorderfüßen kann er zudem gut greifen. Am Hinterfuß ist an einer Zehe die Kralle als Doppelkralle ausgebildet, mit der er sein Fell kämmt. Das Fell mit dichter  wärme-isolierender Unterwolle ist in der Regel hell- bis dunkelbraun, gelegentlich auch schwarz. Der Biber hat am Bauch etwa 40 mal mehr Haare pro cm² als die menschliche Kopfhaut. Regelmäßig pflegt und fettet er es mit dem Sekret seiner Öldrüsen. So hält das Fell ihn warm und trocken.
Die Kelle dient beim Schwimmen hauptsächlich zum Steuern, den Vortrieb erzeugen die mit Schwimmhäuten versehenen Hinterfüße, die Vorderfüße werden beim Schwimmen und tauchen angelegt.

 

Meisterhafte Holzbearbeitung an der Mangfall

Der Biber ist reiner Vegetarier, ernährt sich ausschließlich von Pflanzen.
Im Winter besteht seine karge Hauptnahrung aus Baumrinde. Um an sie zu gelangen fällt er vor allem im Herbst Bäume. Als Nahrungsreserve für den Winter werden dann Äste und Zweige zu Flößen unter Wasser vor dem Eingang seines Baues zusammengefügt. So kann er die Nahrungsvorräte auch bei geschlossener Eisdecke erreichen.
Im Sommer ernährt er sich vom Wasserpflanzen, den jungen Trieben von Weichhölzern, Gräsern, Kräutern und Stauden. An die 300 Pflanzen stehen auf seinem Speiseplan.

Seine Bauten gräbt der Biber an Flüssen in die Uferböschung und baut in Teichen oder an Flüssen Burgen aus aufgeschichtetem Holz und Erde. Der Eingang liegt immer unter Wasser, der Wohnkessel über dem Wasserspiegel. Dämme zur Regulierung des Wasserstands baut er um den Eingang seines Baues unter Wasser zu halten oder um Holz besser transportieren zu können. Hierfür gräbt er auch Transportkanäle. Mit einem Luftloch endende Röhren, die hauptsächlich als Versteck bei Störungen dienen, gräbt der Biber an mehreren Stellen in seinem Revier.

 

 

 

Biber leben in Familienverbänden. Diese bestehen aus den Elterntieren und den ein- und zweijährigen Jungtieren. Lange werden die Jungtiere so auf ein eigenständiges Leben vorbereitet, viel müssen sie lernen. Nur 25-50 Prozent der Jungtiere erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 3 Jahren. Sie werden aus dem elterlichen Bau vertrieben, müssen ein eigenes Revier suchen.

In der Wahl seines Reviers ist der Biber flexibel. Es kann an Flüssen, Bächen, Kanälen oder stehenden Gewässern liegen. Wichtig ist, dass er einen Bau anlegen kann, das Gewässer im Winter nicht bis auf den Grund zufriert und es genügend Gehölze gibt, die Nahrung für den Winter bieten. Sein Revier verteidigt der Biber gegenüber Rivalen mit aller Härte. Sind alle möglichen Reviere in einem Gebiet besiedelt, bleibt die Biberpopulation stabil. Hat ein ausgewachsener Biber in der Natur in Deutschland auch keine Feinde, die seinen Bestand regulieren, beugt sein Revierverhalten einer Überpopulation vor. 
1867 wurde der Biber in Bayern ausgerottet. Sein hochwertiger Pelz, sein Fleisch und sein Duftsekret, das Bibergeil, wurden ihm zum Verhängnis. Zwischen 1966 und 1980 wurden vom Bund Naturschutz in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden etwa 120 Biber in Bayern wieder angesiedelt. Heute leben in Bayern ca. 14.000 Biber in 3500 Revieren, einige dieser Biber sind in den Kreis Miesbach eingewandert.

Der Biber ist durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Er darf nicht gestört werden, Burgen und Dämme sind zu schonen. Biberprodukte dürfen nicht vermarktet werden.

 

Weitere Informationen auf der Website des hauptamtlichen Biberberaters des Bund Naturschutz hier

 

Bildnachweis: Alle Biberbilder © Christoph Bresina
Alle Aufnahmen stammen aus dem Kreis Miesbach